{"id":1379,"date":"2020-02-09T18:54:23","date_gmt":"2020-02-09T17:54:23","guid":{"rendered":"https:\/\/er-sucht-ihn.de\/magazin\/?p=1379"},"modified":"2025-04-14T12:57:01","modified_gmt":"2025-04-14T10:57:01","slug":"gilbert-baker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/er-sucht-ihn.de\/magazin\/gilbert-baker\/","title":{"rendered":"Gilbert Baker \u2013 Ein Leben im Zeichen des Regenbogens"},"content":{"rendered":"\n<p>Gilbert Baker, US-amerikanischer Designer und Aktivist, wurde mit seiner Regenbogenfahne zur Ikone der Lesben- und Schwulenbewegung. Bunt und vielschichtig wie die \u201eRainbow Flag\u201c verlief auch sein Leben.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1438\" src=\"https:\/\/er-sucht-ihn.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Gilbert-Baker-300x287.jpg\" alt=\"Gilbert Baker\" width=\"300\" height=\"287\" srcset=\"https:\/\/er-sucht-ihn.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Gilbert-Baker-300x287.jpg 300w, https:\/\/er-sucht-ihn.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/Gilbert-Baker.jpg 747w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<h2>Pr\u00e4gende Stationen im \u00dcberblick<\/h2>\n<p>Gilbert Baker kam am 2. Juni 1951 in Chanute im US-Bundesstaat Kansas als Sohn eines Richters und einer Lehrerin zur Welt. Gemeinsam mit seiner Schwester Ardonna wuchs er in der kleinen Stadt Parsons auf. Auf das College folgte von 1970 bis 1972 der Dienst in der US-Armee. Nach der Zeit beim Milit\u00e4r lernte er in Eigenregie schneidern. Bald tauchten seine Kreationen als Transparente bei Protestm\u00e4rschen von Kriegsgegnern und Homosexuellen, die f\u00fcr ihre Rechte auf die Stra\u00dfe gingen, auf. Die im Jahre 1978 f\u00fcr den \u201eGay Freedom Day\u201c entworfene Regenbogenfahne wurde weltber\u00fchmt.<\/p>\n<h2>Berufliche Anerkennung bis in h\u00f6chste Kreise<\/h2>\n<p>Ab 1979 arbeitete er f\u00fcr die Paramount Flag Company in San Francisco. Er entwarf Objekte zur feierlichen Amtseinf\u00fchrung von Dianne Feinstein, der damaligen B\u00fcrgermeisterin San Franciscos. Dieser Erfolg \u00f6ffnete viele T\u00fcren und verschaffte ihm weitere lukrative Auftr\u00e4ge. Dazu geh\u00f6rte das Fahnendesign der \u201eSan Francisco Gay Pride\u201c, einer Parade, vergleichbar mit dem Christopher Street Day. Im Jahr 1984 dekorierten seine Entw\u00fcrfe den Parteitag der Demokratischen Partei der USA in San Francisco, was einen Meilenstein in der weiteren Karriere bedeutete. 1987 schloss die Paramount Flag Company, doch Gilbert Baker arbeitete weiter an farbenpr\u00e4chtigen Designs f\u00fcr hochrangige Kunden. Seine Werke fanden Eingang in alle Teile der Gesellschaft. Politiker sch\u00e4tzten sie ebenso wie K\u00f6nigsh\u00e4user und Staatsoberh\u00e4upter.<\/p>\n<p>1994 schuf Baker zum 25. Jahrestag der Stonewall Unruhen in New York City die damals gr\u00f6\u00dfte Flagge der Welt. Im gleichen Jahr zog er nach New York, wo er bis zu seinem Tod lebte. 2003 fertigte er eine Regenbogenfahne, die von Key West am Atlantischen Ozean bis hin zum Golf vom Mexiko reichte. Mit dem circa zwei Kilometer langen Kunstwerk \u00fcberbot er den eigenen Rekord.<\/p>\n<h2>Krankheit und fr\u00fcher Tod<\/h2>\n<p>Im Jahr 2012 erlitt Gilbert Baker einen schweren Schlaganfall, der ihn anfangs k\u00f6rperlich stark beeintr\u00e4chtigte.<\/p>\n<p>2016 wurde ihm mit der Einladung zu einem Empfang ins Wei\u00dfe Haus eine besondere Ehre zuteil. Pr\u00e4sident Obama \u00fcberreichte er zu diesem Anlass eine pers\u00f6nlich angefertigte Rainbow Flag.<\/p>\n<p>Am 31. M\u00e4rz 2017 starb Gilbert Baker in New York City.<\/p>\n<h2>Sein ber\u00fchmtestes Werk und Verm\u00e4chtnis \u2013 die Regenbogenfahne<\/h2>\n<p>Die Farben des Regenbogens stehen in vielen Kulturen der Welt seit Langem als Zeichen f\u00fcr Toleranz, Freiheit, Aufbruch und Frieden. Bekannt ist beispielsweise die 1961 erstmals verwendete \u201eBandiera della Pace\u201c der italienischen Friedensbewegung mit dem \u201ePace\u201c Schriftzug in Wei\u00df.<\/p>\n<p>Harvey Milk, einer der ersten offen homosexuell lebenden Politiker in den USA, bat seinen Freund Gilbert Baker 1978 um eine Kreation f\u00fcr die Parade anl\u00e4sslich des \u201eGay Freedom Day\u201c. Mit der \u201eRainbow Flag\u201c schuf Baker einen Gegenentwurf zum rosa Winkel, dem Erkennungszeichen f\u00fcr schwule Lagerinsassen in der Zeit des Nationalsozialismus. Die erste Version setzte sich aus acht farbigen Stoffstreifen zusammen. Sie symbolisieren jeweils einen bestimmten Begriff: Dabei steht beispielsweise Rot f\u00fcr das Leben oder Orange f\u00fcr die Gesundheit. Aus verschiedenen, eher technischen Gr\u00fcnden, bestand die endg\u00fcltige Fassung schlie\u00dflich aus sechs Farben. Im November 1978 wurde der Stadtrat Harvey Milk von einem damaligen Amtskollegen ermordet. Bei darauffolgenden Protest- und Trauerm\u00e4rschen schwenkten viele Freunde und Weggef\u00e4hrten zu seinen Ehren die <a href=\"https:\/\/er-sucht-ihn.de\/magazin\/pride-flag\/\">Regenbogenflagge<\/a>.<\/p>\n<h2>Der Regenbogen im Mittelpunkt vieler Events<\/h2>\n<p>Das farbenpr\u00e4chtige Banner etablierte sich zunehmend. Selbst an \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden hissen mittlerweile zahlreiche Amtstr\u00e4ger bei gesellschaftlichen Anl\u00e4ssen die Flagge. In Deutschland war das erstmals 1996 in Berlin der Fall.<\/p>\n<p>Im Jahr 2000 stellte Baker in Rom Fotografien und andere Kunstwerke rund um die Rainbow Flag aus. Proteste aus dem Vatikan behinderten das Vorhaben erheblich. 2015 enth\u00fcllte sein Sch\u00f6pfer eine Flagge als dauerhaftes Ausstellungsst\u00fcck im Museum of Modern Art, New York.<\/p>\n<p>Mit der Regenbogenfahne schuf Gilbert Baker ein Zeichen der Einigkeit, welches mit seinem Namen verbunden bleibt. Er verzichtete darauf, sich das Muster als gesch\u00fctzte Marke eintragen zu lassen. Die Flagge sollte der ganzen Gemeinschaft frei zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Sie gilt bis heute als Symbol f\u00fcr Stolz, Toleranz und Vielfalt des schwulen, lesbischen, transsexuellen und bisexuellen Lebens.<\/p>\n<h2>Der Mensch Gilbert Baker<\/h2>\n<p>Bereits in der Kindheit f\u00fchlte sich Gilbert Baker zu Mode und Kunst hingezogen. Seine Gro\u00dfmutter f\u00fchrte in der kleinen Stadt Parsons ein Gesch\u00e4ft f\u00fcr Damenbekleidung. Solche \u201eexotischen\u201c Interessen lie\u00dfen ihn eher als Sonderling unter seinen Altersgenossen erscheinen.<\/p>\n<h2>Armeezeit und Neubeginn in San Francisco<\/h2>\n<p>Mehrere Quellen berichten, er habe unter der Jugend in einem konservativ gepr\u00e4gten Staat gelitten. Die Einberufung zur Armee schien ihm wie ein Ausweg. Jedoch erlebte er w\u00e4hrend der Grundwehrzeit aufgrund seiner Homosexualit\u00e4t offene Anfeindungen. Er entschied sich f\u00fcr die Sanit\u00e4tslaufbahn und wurde nach San Francisco versetzt. In dieser toleranten, lebensfrohen Stadt fand er als schwuler Mann eine Heimat sowie Akzeptanz f\u00fcr seine Lebensweise. Hier lernte er zudem den Politiker und Aktivisten Harvey Milk kennen \u2013 eine Begegnung, die ihn pr\u00e4gte. Sp\u00e4ter betonte er, Milk habe ihm deutlich gezeigt, wie wichtig es sei, offen f\u00fcr bedrohte Rechte zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Nach der ehrenhaften Entlassung aus der US-Armee setzte er sein k\u00fcnstlerisches Talent zunehmend f\u00fcr politische Ziele ein. Viele Protestm\u00e4rsche und Demonstrationen zeigten Bakers bunte Flaggenkreationen. Auch seine berufliche Karriere entwickelte sich in San Francisco mit der T\u00e4tigkeit f\u00fcr die Paramount Flag Company positiv. Die extravagante Gestaltung der Schaufenster bildete dort sein Markenzeichen. Das Engagement durch die B\u00fcrgermeisterin Dianne Feinstein ebnete ihm den Weg zu weiteren Auftr\u00e4gen der Stadt. In der Folge wehten bei hochrangigen Staatsbesuchen seine Fahnen ebenso wie bei Anti-Kriegs-Kundgebungen.<\/p>\n<h2>Kreativ und erfolgreich im Dienst der Gay-Community<\/h2>\n<p>Mitunter benutzte Gilbert Baker das Pseudonym \u201eBusty Ross\u201c, einen Drag-Queen-Namen. Er bezog sich damit auf die N\u00e4herin Betsy Ross, die der Legende nach die erste Flagge der Vereinigten Staaten angefertigt haben soll.<\/p>\n<p>Die Popularit\u00e4t, die er mittlerweile durch die Regenbogenflagge sowie andere Werke erlangt hatte, stellte er immer wieder in den Dienst der Gay-Community. Seine Entw\u00fcrfe f\u00fcr Gem\u00e4lde und Poster erlangten Ber\u00fchmtheit in der Welt der Bildenden K\u00fcnste. Ein Siebdruck hing 1992 w\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaft Bill Clintons sogar im Wei\u00dfen Haus.<\/p>\n<p>Der Umzug nach New York er\u00f6ffnete ihm neue Perspektiven. Die riesigen Regenbogenflaggen, die er 1994 sowie 2003 gestaltete, waren \u201eRekordkunstwerke\u201c die buchst\u00e4blich die Massen bewegten.<\/p>\n<h2>K\u00e4mpferisch bis ans Lebensende<\/h2>\n<p>Sein Schlaganfall im Jahr 2012 bedeutete einen schweren Einschnitt. Tapfer k\u00e4mpfte er \u2013 trotz pessimistischer Prognosen der \u00c4rzte \u2013 gegen die k\u00f6rperlichen Folgen und gewann viele F\u00e4higkeiten zur\u00fcck. Er konnte schlie\u00dflich wieder entwerfen und n\u00e4hen.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf die Wahl Donald Trumps zum Pr\u00e4sidenten im November 2016 verst\u00e4rkte Baker seine politischen Anstrengungen. Er sah die Demokratie und Toleranz Amerikas gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Jahr 2017 plante er einen Besuch in seiner Geburtsstadt Chanute. Dazu kam es nicht mehr. Er starb am 31. M\u00e4rz 2017 mit nur 65 Jahren an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.<\/p>\n<p>Gilbert Baker gestaltete die gesellschaftliche Entwicklung des schwulen und lesbischen Lebens nicht nur in den USA aktiv mit. Seine Kunstprojekte, insbesondere die Regenbogenfahne bleiben der Menschheit als sichtbares Zeichen f\u00fcr Toleranz und Vielf\u00e4ltigkeit.<\/p>\n<hr>\n<p><small><br \/>\nBilderquelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/Category:Gilbert_Baker?uselang=de#\/media\/File:Gilbert_Baker_during_SF_Pride_2012_(hi-res).jpg\">wikimedia, erstellt von Gareth Watkins<\/a><br \/>\nLizensiert unter: <a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/3.0\/deed.de\">CC BY 3.0<\/a><br \/>\n<\/small><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gilbert Baker, US-amerikanischer Designer und Aktivist, wurde mit seiner Regenbogenfahne zur Ikone der Lesben- und Schwulenbewegung. 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