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Die wichtigsten Punkte kurz und verständlich zusammengefasst (1:04 Min.).
Drag Queens sind nicht nur auf dem Christopher Street Day ein optisches Highlight. Auch auf der Reeperbahn in Shows oder Filmen sind sie nicht mehr wegzudenken. Viele Menschen wissen gar nicht, was hinter der Geschichte der Drag Queens steckt.
Was bedeutet Drag Queen?
Eine Drag Queen ist eine Kunstfigur, die auf der Bühne Weiblichkeit überzeichnet darstellt. Meist stehen dahinter Männer, aber auch Frauen, trans und nicht-binäre Menschen treten als Drag Queens auf. Viele Drag Queens tragen ein kunstvolles Makeup, glitzerndes Kleid, hochhackige Schuhe und eine bunte Perücke. Viele Drag-Künstler sind schwul, ablesen lässt sich die Orientierung an der Kunstfigur aber nicht, mehr dazu im Artikel Ist er schwul?
Oft liest man, „drag“ sei eine Abkürzung für „Dressed Resembling A Girl“ (auf Deutsch: angezogen nach Art eines Mädchens). Belegt ist das nicht, die Erklärung gilt als nachträglich erfunden. Der Begriff stammt aus dem englischen Theaterjargon des 19. Jahrhunderts. Drag bedeutet ins Deutsche übersetzt „schleppen“, was ein Hinweis auf die langen Röcke und Schleppen sein könnte, die bei glamourösen Kleidern über den Boden schleifen. Es geht bei vielen Drag Queens aber nicht ausschließlich um Modetrends oder einen glamourösen Auftritt.
Sie wollen ein sozialpolitisches Statement setzen und der Gesellschaft zeigen, dass Geschlechterrollen nicht starr sind und man mit ihnen spielen kann. Aus diesem Grund gelten die schrillen Queens als Symbol im Bereich der Homosexuellenbewegung.
Geschichte / Historisches
Die Geschichte der Drag Queens begann in den 1880er Jahren. Der erste Mann, der sich selbstbewusst als Queen of Drag bezeichnet hat, war William Dorsey Swann. Er lebte in den USA und war ein ehemaliger Sklave. Da er legendäre Drag-Bälle mitten in Washington DC veranstaltete, wurde er festgenommen und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Auf seinen Partys trugen die Gäste Kleider, Perücken und Stöckelschuhe.
Nach den damaligen Modetrends trugen die Männer vor allem Kleider aus Satin oder Seide. Die Gäste waren vor allem afroamerikanische Männer, von denen viele schwul waren. Weil gleichgeschlechtliche Beziehungen damals verfolgt wurden, waren solche Treffen gefährlich, und die Polizei löste sie immer wieder auf. Swann hatte seine speziellen Partys ins Leben gerufen, um zusammen mit Gleichgesinnten den Moment der Freiheit zu erleben. Die Gäste sollten sich gegenseitig wertschätzen und unterstützen. Auch heute sind Drag Queens vor allem in der Schwulenszene zu finden.
Die fünf bekanntesten Drag Queens
In der heutigen Zeit gibt es viele Drag Queens. Zu den bekanntesten schillernden Persönlichkeiten gehören:
- Olivia Jones (Oliver Knöbel)
- Gordy Blanche
- Mary Morgan (Georg Preuße)
- Nina Queer
- Conchita Wurst (Tom Neuwirth)
Die österreichische Kunstfigur Conchita Wurst erlangte 2014 in Kopenhagen durch den Titel „Rise like a Phoenix“ den Sieg des 59. Eurovision Song Contests. Der Travestiekünstler und Sänger musste im Vorfeld viel Kritik einstecken. Weltweit wurden negative Stimmen laut, die sich gezielt gegen den Auftritt der Diva mit Bart richteten. Trotz aller Widrigkeiten schaffte es der Künstler auf den ersten Platz. Der ESC wurde live von circa 180 Millionen verfolgt.
Auch Oliver Knöbel konnte als Drag Queen Oliva Jones einen großen Erfolg verbuchen. Seinen Durchbruch hatte er 1997 in Miami bei einem internationalen Drag Queen Contest. Er wurde als „Miss Drag Queen of the world“ gekürt. Olivia Jones setzte sich gegen eine Vielzahl an Mitbewerber durch. Inzwischen ist die Kultfigur im Fernsehen nicht mehr wegzudenken. Er nahm erfolgreich an Sendungen wie Big Brother, Frauentausch, Das perfekte Promi Diner, Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!, Promi Big Brother und vieles andere teil.
Besondere Modetrends
Drag Queens tragen bewusst übertriebene, bunte und schrille Kleidung, die gesellschaftlich Frauen zugeordnet wird. Das Gegenstück sind Drag Kings: meist Frauen, die auf der Bühne Männlichkeit darstellen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Früher sprach man bei Drag Queens oft von „Transvestiten“, ein Wort, das heute als veraltet gilt. Zur klassischen Travestie gehören Pailletten, aufwendige Kostüme, buntes Makeup und Federn.
Drag ist nicht dasselbe wie trans. Drag ist eine Bühnenkunst: Wer als Drag Queen auftritt, stellt eine Figur dar und identifiziert sich deshalb nicht automatisch als Frau. Auch Crossdressing, also das Tragen von Kleidung, die einem anderen Geschlecht zugeordnet wird, sagt nichts über die Geschlechtsidentität aus. Es gibt allerdings auch trans Menschen, die Drag machen. Als trans werden Menschen bezeichnet, die sich nicht oder nicht nur mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.
Ob trans Menschen Hormone nehmen oder sich operieren lassen, ist ganz unterschiedlich und eine persönliche Entscheidung. Das ältere Wort „transsexuell“ gilt heute als veraltet, weil es bei der Geschlechtsidentität nicht um Sexualität geht.
Außergewöhnliche Kunstfiguren
Viele Drag Queens verkleiden sich aus Spaß und möchten andere Menschen unterhalten. Häufig dient die Verwandlung aber auch der Selbstverwirklichung. Die Geschlechternorm wird durch ein übertriebenes Makeup und bunte Modetrends drastisch überzeichnet. Sie stellen die Norm spielerisch in Frage.


