Regenbogenfahne

Gilbert Baker – Ein Leben im Zeichen des Regenbogens

Gilbert Baker, US-amerikanischer Designer und Aktivist, wurde mit seiner Regenbogenfahne zur Ikone der Lesben- und Schwulenbewegung. Bunt und vielschichtig wie die „Rainbow Flag“ verlief auch sein Leben.

Prägende Stationen im Überblick

Gilbert Baker kam am 2. Juni 1951 in Chanute im US-Bundesstaat Kansas als Sohn eines Richters und einer Lehrerin zur Welt. Gemeinsam mit seiner Schwester Ardonna wuchs er in der kleinen Stadt Parsons auf. Auf das College folgte von 1970 bis 1972 der Dienst in der US-Armee. Nach der Zeit beim Militär lernte er in Eigenregie schneidern. Bald tauchten seine Kreationen als Transparente bei Protestmärschen von Kriegsgegnern und Homosexuellen, die für ihre Rechte auf die Straße gingen, auf. Die im Jahre 1978 für den „Gay Freedom Day“ entworfene Regenbogenfahne wurde weltberühmt.

Berufliche Anerkennung bis in höchste Kreise

Ab 1979 arbeitete er für die Paramount Flag Company in San Francisco. Er entwarf Objekte zur feierlichen Amtseinführung von Dianne Feinstein, der damaligen Bürgermeisterin San Franciscos. Dieser Erfolg öffnete viele Türen und verschaffte ihm weitere lukrative Aufträge. Dazu gehörte das Fahnendesign der „San Francisco Gay Pride“, einer Parade, vergleichbar mit dem Christopher Street Day. Im Jahr 1984 dekorierten seine Entwürfe den Parteitag der Demokratischen Partei der USA in San Francisco, was einen Meilenstein in der weiteren Karriere bedeutete. 1987 schloss die Paramount Flag Company, doch Gilbert Baker arbeitete weiter an farbenprächtigen Designs für hochrangige Kunden. Seine Werke fanden Eingang in alle Teile der Gesellschaft. Politiker schätzten sie ebenso wie Königshäuser und Staatsoberhäupter.

1994 schuf Baker zum 25. Jahrestag der Stonewall Unruhen in New York City die damals größte Flagge der Welt. Im gleichen Jahr zog er nach New York, wo er bis zu seinem Tod lebte. 2003 fertigte er eine Regenbogenfahne, die von Key West am Atlantischen Ozean bis hin zum Golf vom Mexiko reichte. Mit dem circa zwei Kilometer langen Kunstwerk überbot er den eigenen Rekord.

Krankheit und früher Tod

Im Jahr 2012 erlitt Gilbert Baker einen schweren Schlaganfall, der ihn anfangs körperlich stark beeinträchtigte.

2016 wurde ihm mit der Einladung zu einem Empfang ins Weiße Haus eine besondere Ehre zuteil. Präsident Obama überreichte er zu diesem Anlass eine persönlich angefertigte Rainbow Flag.

Am 31. März 2017 starb Gilbert Baker in New York City.

Sein berühmtestes Werk und Vermächtnis – die Regenbogenfahne

Die Farben des Regenbogens stehen in vielen Kulturen der Welt seit Langem als Zeichen für Toleranz, Freiheit, Aufbruch und Frieden. Bekannt ist beispielsweise die 1961 erstmals verwendete „Bandiera della Pace“ der italienischen Friedensbewegung mit dem „Pace“ Schriftzug in Weiß.

Harvey Milk, einer der ersten offen homosexuell lebenden Politiker in den USA, bat seinen Freund Gilbert Baker 1978 um eine Kreation für die Parade anlässlich des „Gay Freedom Day“. Mit der „Rainbow Flag“ schuf Baker einen Gegenentwurf zum rosa Winkel, dem Erkennungszeichen für schwule Lagerinsassen in der Zeit des Nationalsozialismus. Die erste Version setzte sich aus acht farbigen Stoffstreifen zusammen. Sie symbolisieren jeweils einen bestimmten Begriff: Dabei steht beispielsweise Rot für das Leben oder Orange für die Gesundheit. Aus verschiedenen, eher technischen Gründen, bestand die endgültige Fassung schließlich aus sechs Farben. Im November 1978 wurde der Stadtrat Harvey Milk von einem damaligen Amtskollegen ermordet. Bei darauffolgenden Protest- und Trauermärschen schwenkten viele Freunde und Weggefährten zu seinen Ehren die Regenbogenflagge.

Der Regenbogen im Mittelpunkt vieler Events

Das farbenprächtige Banner etablierte sich zunehmend. Selbst an öffentlichen Gebäuden hissen mittlerweile zahlreiche Amtsträger bei gesellschaftlichen Anlässen die Flagge. In Deutschland war das erstmals 1996 in Berlin der Fall.

Im Jahr 2000 stellte Baker in Rom Fotografien und andere Kunstwerke rund um die Rainbow Flag aus. Proteste aus dem Vatikan behinderten das Vorhaben erheblich. 2015 enthüllte sein Schöpfer eine Flagge als dauerhaftes Ausstellungsstück im Museum of Modern Art, New York.

Mit der Regenbogenfahne schuf Gilbert Baker ein Zeichen der Einigkeit, welches mit seinem Namen verbunden bleibt. Er verzichtete darauf, sich das Muster als geschützte Marke eintragen zu lassen. Die Flagge sollte der ganzen Gemeinschaft frei zur Verfügung stehen.

Sie gilt bis heute als Symbol für Stolz, Toleranz und Vielfalt des schwulen, lesbischen, transsexuellen und bisexuellen Lebens.

Der Mensch Gilbert Baker

Bereits in der Kindheit fühlte sich Gilbert Baker zu Mode und Kunst hingezogen. Seine Großmutter führte in der kleinen Stadt Parsons ein Geschäft für Damenbekleidung. Solche „exotischen“ Interessen ließen ihn eher als Sonderling unter seinen Altersgenossen erscheinen.

Armeezeit und Neubeginn in San Francisco

Mehrere Quellen berichten, er habe unter der Jugend in einem konservativ geprägten Staat gelitten. Die Einberufung zur Armee schien ihm wie ein Ausweg. Jedoch erlebte er während der Grundwehrzeit aufgrund seiner Homosexualität offene Anfeindungen. Er entschied sich für die Sanitätslaufbahn und wurde nach San Francisco versetzt. In dieser toleranten, lebensfrohen Stadt fand er als schwuler Mann eine Heimat sowie Akzeptanz für seine Lebensweise. Hier lernte er zudem den Politiker und Aktivisten Harvey Milk kennen – eine Begegnung, die ihn prägte. Später betonte er, Milk habe ihm deutlich gezeigt, wie wichtig es sei, offen für bedrohte Rechte zu kämpfen.

Nach der ehrenhaften Entlassung aus der US-Armee setzte er sein künstlerisches Talent zunehmend für politische Ziele ein. Viele Protestmärsche und Demonstrationen zeigten Bakers bunte Flaggenkreationen. Auch seine berufliche Karriere entwickelte sich in San Francisco mit der Tätigkeit für die Paramount Flag Company positiv. Die extravagante Gestaltung der Schaufenster bildete dort sein Markenzeichen. Das Engagement durch die Bürgermeisterin Dianne Feinstein ebnete ihm den Weg zu weiteren Aufträgen der Stadt. In der Folge wehten bei hochrangigen Staatsbesuchen seine Fahnen ebenso wie bei Anti-Kriegs-Kundgebungen.

Kreativ und erfolgreich im Dienst der Gay-Community

Mitunter benutzte Gilbert Baker das Pseudonym „Busty Ross“, einen Drag-Queen-Namen. Er bezog sich damit auf die Näherin Betsy Ross, die der Legende nach die erste Flagge der Vereinigten Staaten angefertigt haben soll.

Die Popularität, die er mittlerweile durch die Regenbogenflagge sowie andere Werke erlangt hatte, stellte er immer wieder in den Dienst der Gay-Community. Seine Entwürfe für Gemälde und Poster erlangten Berühmtheit in der Welt der Bildenden Künste. Ein Siebdruck hing 1992 während der Präsidentschaft Bill Clintons sogar im Weißen Haus.

Der Umzug nach New York eröffnete ihm neue Perspektiven. Die riesigen Regenbogenflaggen, die er 1994 sowie 2003 gestaltete, waren „Rekordkunstwerke“ die buchstäblich die Massen bewegten.

Kämpferisch bis ans Lebensende

Sein Schlaganfall im Jahr 2012 bedeutete einen schweren Einschnitt. Tapfer kämpfte er – trotz pessimistischer Prognosen der Ärzte – gegen die körperlichen Folgen und gewann viele Fähigkeiten zurück. Er konnte schließlich wieder entwerfen und nähen.

Als Reaktion auf die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten im November 2016 verstärkte Baker seine politischen Anstrengungen. Er sah die Demokratie und Toleranz Amerikas gefährdet.

Für das Jahr 2017 plante er einen Besuch in seiner Geburtsstadt Chanute. Dazu kam es nicht mehr. Er starb am 31. März 2017 mit nur 65 Jahren an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Gilbert Baker gestaltete die gesellschaftliche Entwicklung des schwulen und lesbischen Lebens nicht nur in den USA aktiv mit. Seine Kunstprojekte, insbesondere die Regenbogenfahne bleiben der Menschheit als sichtbares Zeichen für Toleranz und Vielfältigkeit.