Coming out

Coming out – Bedeutung und Tipps für homosexuelle Männer

Einleitung

Der Zeitpunkt, bei welchem man für sich selbst entdeckt, dass man schwul ist, ist ganz individuell: Manche junge Männer fühlen sich bereits seit der frühen Pubertät zum gleichen Geschlecht hingezogen, manch andere haben einige Beziehungen mit dem weiblichen Geschlecht, bevor sie erkennen, dass sie schwul sind, während wiederum ganz andere vielleicht sogar schon Kinder und eine Familie gegründet haben, bevor ihnen ihre wahre sexuelle Orientierung klar wird. Wann auch immer man erkennt, dass man schwul ist und gerne eine Beziehung mit einem Mann haben möchte, irgendwann wir es Zeit für ein sogenanntes Coming out. Was das genau ist, wie man dieses am besten vorbereitet und was für Erfahrungen andere Personen damit schon gemacht haben, davon soll der folgende Text handeln.

Was ist ein Coming out?

Die Wort-Kombination ‘Coming out’ ist ein sogenannter Anglizismus und lässt sich übersetzen in ‚Herauskommen‘. Man kann das Comingout also als ein ‚Herauskommen oder Aufdecken der eigenen sexuellen Orientierung’ beschreiben. Damit ist in der Praxis schlicht einfach gemeint, dass man seinen Freunden, Bekannten und der Familie erzählt, man sei schwul. Denn in unserer Gesellschaft wird die Beziehung zwischen Mann und Frau leider immer noch als das ‚Normale‘ angesehen, und schwul zu sein mag für einige Familienmitglieder wohlmöglich auf den ersten Blick etwas schwer verständlich oder überwältigend sein. Aus diesem Grund ist es wichtig, sein Coming out gut vorzubereiten, nichts dem Zufall zu überlassen und komischen Momenten gar keine Chance zu geben. Wie man das richtig machen kann, damit beschäftigen wir uns in nur einem kurzen Moment. Vorher allerdings stellen wir uns die Frage, warum ein Coming out manchmal so schwer ist.

Warum ist ein Coming out manchmal so schwer?

Eigentlich sollte es ganz einfach sein, und man müsse sich darüber keine Gedanken machen: Ich bin schwul. Na und? Tagesablauf geht weiter. So leicht ist es dann manchmal allerdings doch nicht, was nicht an der Person selbst liegt sondern vielmehr an seinem Umfeld. Gerade bei Eltern, die einen noch eher konservativen Lebensstil pflegen, zeigt es sich, dass das Coming out zu gänzlichem Unverständnis und Missachtung führen kann. Sollte man deshalb, wenn schon der Verdacht besteht, dass das Coming out nicht ganz so glatt verlaufen könnte, wie man sich das wünscht, lieber gleich verschweigen, dass man schwul ist? Ganz und gar nicht! Denn jemand, der einen nicht so akzeptiert, wie man ist (und schwul sein ist ja wohl nicht im Geringsten etwas Schlimmes), hat es vielleicht gar nicht verdient, einen Platz in seinem Leben einzunehmen. Und was, wenn einen die eigenen Freunde für das schwul-sein verachten? Dann sollte man sich am besten so schnell wie möglich neue Freunde suchen! In einer schwulen Bar zum Beispiel, oder einem Sportverein. Doch damit solche Fälle schon gar nicht auftreten können, wollen wir uns nun mit den drei Phasen vom Coming out beschäftigen.

Die Phasen von einem Coming out

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten, wie man sein Coming out gestalten kann: Geplant, oder nicht geplant. Wenn Freunde, Verwandte und Familie sehr sicher mit dem schwul sein kein Problem haben und generell sehr liberal eingestellt sind, dann braucht man sich über sein Coming out gar keinen großen Kopf machen: Einfach raus damit. Hat man allerdings ein ungutes Gefühl, lohnt es sich doch, das Coming out sowohl im Kopf, als auch im Praktischen zu planen. Und hier steht, wie das geht:

Die erste Phase: Überlegungen

Im ersten Schritt sollte man, bevor auch nur eine einzige Sache in die Tat umgesetzt wird, sich sehr viele Gedanken darüber machen. Wo mache ich das Coming out am besten? Beim Abendessen, oder doch lieber bei einem gemeinsamen Familienunternehmen. Wie sage ich es, welche Worte wähle ich? Und am Wichtigsten: Wie gehe ich damit um, wenn die Reaktion meiner Mitmenschen doch nicht so ausfällt, wie ich sie mir gewünscht hätte? An dieser Stelle ist es wichtig, einen gewissen Stolz aufzubauen: Ich bin schwul, und das ist auch gut so. Wenn mich jemand dafür nicht akzeptiert, dann ist das nicht mein Problem.

Die zweite Phase: Vorbereitungen

Nachdem man sich gehörig über das Outing Gedanken gemacht hat, geht es auch schon an die Vorbereitung. Plane ich ein extra Abendessen, an welchem die ganze Familie, inklusive Oma und Opa, teilnimmt, oder mache ich es nur im engsten Rahmen. Wichtig hier ist auch, sich nicht nur praktisch vorzubereiten, sondern auch mental. Ein coming out ist zweifelsfrei für viele Schwule eine große und wichtige Angelegenheit, und dementsprechend emotional stabil sollte man an diesem Tag auch sein, um auf Nachfragen von Angehörigen gut reagieren zu können.

Die dritte Phase: Die Durchführung

Nun kommt die ‚heiße Phase‘: die Durchführung. Nachdem man alles, sowohl im Kopf, als auch in der Praxis geplant hat, geht es darum, das Coming out durchzuführen. Jeder, der sich outet, sollte stets im Kopf haben, dass das kein Pflichtprogramm ist, sondern ein besonderes und schönes Ereignis, das man sich durch niemanden kaputt machen lassen sollte. Wenn man mit einer solch grundsätzlich positiven Einstellung an das Ganze herangeht, kann schon gar nicht mehr viel schiefgehen.

Wichtige Erfahrungen für ein Coming out gegenüber Eltern und Freunden

Erfahrungen haben gezeigt, gerade im Umgang mit den Eltern, dass diese oftmals viel offener und liberaler sind, als man das je für möglich gehalten hat. Auch wenn man zu Beginn des Outings etwaige Bedenken hat, welche natürlich absolut gerechtfertigt sind, sollten diese einen auf keinen Fall einschüchtern. Wenn der ganze Prozess sorgfältig durchdacht und geplant wird, und man sich absolut sicher ist, wie man das Outing gestalten soll, ist Alles gar nicht so schlimm, wie man es sich immer vorgestellt hat. Und immer daran denken: Ein coming out ist eine schöne Sache!