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Die wichtigsten Punkte kurz und verständlich zusammengefasst (1:03 Min.).
Geschlechtsangleichung statt „Geschlechtsumwandlung“
Umgangssprachlich ist oft von einer „Geschlechtsumwandlung“ die Rede. Fachlich und in der Community spricht man heute von Geschlechtsangleichung oder geschlechtsangleichenden Maßnahmen. Der Grund: Das Geschlecht eines Menschen wird nicht „umgewandelt“. Angeglichen wird der Körper an das Geschlecht, das die Person tatsächlich hat, also an ihre Geschlechtsidentität. Geschlechtsangleichende Operationen werden auch kurz GA-OP genannt.
Wichtig: Trans zu sein ist keine psychische Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation führt seit der ICD-11, die 2022 in Kraft getreten ist, Trans-Sein nicht mehr bei den psychischen Störungen. Stattdessen gibt es die Diagnose „Geschlechtsinkongruenz“ im Kapitel zur sexuellen Gesundheit. Sie dient dazu, dass Betroffene medizinische Behandlung bekommen können. In Deutschland wird für die Abrechnung derzeit noch die ältere ICD-10-GM verwendet.
Nicht jede trans Person möchte medizinische Maßnahmen, und nicht jede möchte alle. Manche nehmen nur Hormone, manche lassen einzelne Operationen machen, andere gar keine. Alle diese Wege sind gleichwertig. Mehr zum Begriff und zum Dating findest du im Artikel über trans Menschen und die passende Singlebörse.
Wie läuft der Weg ab?
Maßgeblich für die Behandlung von Erwachsenen in Deutschland ist die S3-Leitlinie „Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit“ der medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Sie hat die alten, starren „Standards der Behandlung“ von 1997 abgelöst. Die Leitlinie setzt auf individuelle Entscheidungen statt auf feste Pflichtschritte: Welche Maßnahmen sinnvoll sind, klären Betroffene gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten und Psychotherapeuten.
- Beratung und Diagnostik: Eine psychotherapeutische Begleitung ist häufig Teil des Weges und kann bei Entscheidungen helfen. Sie soll Betroffene unterstützen, nicht „prüfen“.
- Hormontherapie: Trans Frauen bekommen in der Regel Östrogene, oft zusammen mit Testosteronblockern. Trans Männer bekommen Testosteron, etwa als Gel oder Spritze.
- Operationen: Je nach Wunsch zum Beispiel an Brust, Genitalien, Gesicht oder Kehlkopf. Für genitalangleichende Operationen gilt in Deutschland in der Regel ein Mindestalter von 18 Jahren.
Unabhängig von der Medizin lassen sich Vorname und Geschlechtseintrag seit dem 1. November 2024 nach dem Selbstbestimmungsgesetz per Erklärung beim Standesamt ändern. Gutachten oder Operationen sind dafür nicht nötig. Die Änderung muss drei Monate vorher beim Standesamt angemeldet werden.
Die Zahl geschlechtsangleichender Operationen in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gestiegen, die meisten Patientinnen und Patienten sind zwischen 20 und 30 Jahre alt. Beide Grafiken beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamts. Die ältere Grafik zeigt die Jahre 2008 bis 2018 und nutzt im Titel noch die veraltete Bezeichnung „Geschlechtsumwandlung“.
Zahlt die Krankenkasse?
Lange haben die gesetzlichen Krankenkassen geschlechtsangleichende Behandlungen nach Prüfung durch den Medizinischen Dienst bezahlt, wenn sie medizinisch notwendig waren. Das Bundessozialgericht hat am 19. Oktober 2023 (Az. B 1 KR 16/22 R) aber entschieden, dass solche Behandlungen als „neue Behandlungsmethode“ gelten. Darüber muss zuerst der Gemeinsame Bundesausschuss entscheiden. Bis dahin hat der GKV-Spitzenverband den Kassen empfohlen, zumindest bereits begonnene Behandlungen weiter zu übernehmen.
Die Lage ist also im Fluss. Kläre vor einem Antrag mit deiner Krankenkasse und am besten mit einer Beratungsstelle für trans Personen, was in deinem Fall gilt.
Operationen bei trans Männern
Häufigster Eingriff ist die Mastektomie: Das Brustdrüsengewebe wird entfernt und die Brust männlich geformt. Ob dabei Haut gestrafft und die Brustwarzen versetzt werden, hängt von der Brustgröße ab.
Manche trans Männer lassen außerdem Gebärmutter und Eierstöcke entfernen (Hysterektomie und Adnexektomie). Das ist keine Pflicht. Dafür, dass die Testosterontherapie das Krebsrisiko so stark erhöht, dass eine Entfernung generell nötig wäre, gibt es keine gesicherten Belege. Ob der Eingriff sinnvoll ist, ist eine individuelle Entscheidung.
Genitalangleichende Operationen gibt es in zwei Grundformen:
- Metoidioplastik: Die durch Testosteron gewachsene Klitoris wird freigelegt und zu einem kleinen Penis geformt. Auf Wunsch wird die Harnröhre bis zur Spitze verlängert, sodass Wasserlassen im Stehen möglich werden kann. Die Empfindsamkeit bleibt meist gut erhalten, für Penetration reicht die Größe in der Regel nicht.
- Phalloplastik: Ein Penis wird aus körpereigenem Gewebe aufgebaut, meist aus einem Hautlappen vom Unterarm (Radialis-Lappen), alternativ etwa vom Oberschenkel oder vom Rücken (Latissimus-dorsi-Lappen). Sie verläuft meist in mehreren Operationen. Für eine Erektion kann später eine Penisprothese eingesetzt werden.
Bei beiden Verfahren kann aus den großen Schamlippen ein Hodensack geformt werden, in den Hodenprothesen eingesetzt werden. Komplikationen wie Engstellen oder Fisteln an der Harnröhre sind vor allem bei der Phalloplastik nicht selten.
Operationen bei trans Frauen
Bei der Vaginoplastik werden die Hoden und die Schwellkörper des Penis entfernt. Aus der Haut von Penis und Hodensack werden eine Neovagina, die Schamlippen und der Scheideneingang geformt. Aus einem Teil der Eichel entsteht mitsamt den versorgenden Gefäßen und Nerven eine Klitoris, die empfindsam bleibt. Die Harnröhre wird gekürzt und neu ausgeleitet. Häufigste Technik ist die sogenannte Penisinversion. Reicht die Haut nicht aus, kann zusätzlich Gewebe aus Darm oder Bauchfell verwendet werden.
Nach der Operation muss die Neovagina über längere Zeit regelmäßig mit Dehnstäben gedehnt werden („Bougieren“), damit sie nicht schrumpft. Manchmal sind Korrektureingriffe nötig. Gebärmutter und Eierstöcke lassen sich nicht nachbilden.
Weitere mögliche Eingriffe sind ein Brustaufbau, wenn die Brust unter Östrogen nicht ausreichend wächst, eine Verkleinerung des Adamsapfels, Operationen an Stimme und Gesicht sowie Haarentfernung per Laser oder Nadelepilation.
Bereuen viele die Operation?
Nein. Studien zeigen durchweg, dass nur sehr wenige Menschen eine geschlechtsangleichende Operation bereuen. Der Wunsch, die Angleichung rückgängig zu machen, hat zudem oft äußere Gründe wie Ablehnung durch Familie, Umfeld oder Arbeitgeber. Gute Beratung vorab und ein unterstützendes Umfeld danach sind deshalb besonders wichtig.
Fazit
Geschlechtsangleichende Maßnahmen sind große, oft mehrstufige Eingriffe, für viele trans Menschen aber ein wichtiger Schritt, um sich im eigenen Körper wohlzufühlen. Welche Schritte jemand geht, ist eine persönliche Entscheidung. Was alle brauchen: Respekt und ein Umfeld, das sie unterstützt.
Quellen & Transparenz
Stand der Informationen: Oktober 2026. Dieser Artikel wurde grundlegend überarbeitet, weil eine frühere Version veraltete und falsche Angaben enthielt. Er ersetzt keine ärztliche oder rechtliche Beratung.
- AWMF: S3-Leitlinie Geschlechtsinkongruenz, Geschlechtsdysphorie und Trans-Gesundheit (138-001)
- WHO: Gender incongruence and transgender health in the ICD
- Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag (SBGG)
- Bundessozialgericht: B 1 KR 16/22 R vom 19.10.2023
- Statistik: Statistisches Bundesamt, Grafik von Statista (CC BY-ND)




